Studienanfänger in Bayern – Wissenschaftsminster Heubisch argumentiert mit falschen Zahlen

Seit den Studierendenprotesten behauptet Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch vor dem Landtag, Parteiveranstaltungen und bei Diskussionen mit Studierenden immer wieder, dass nach Bayern die meisten Studierenden aus anderen Bundesländern und dem Ausland kommen. Diese Aussage stimmt aber nicht. Er verweist häufig auf die Nettogewinne (Differenz zwischen der Anzahl an Studienanfängern in einem Bundesland, die in anderen Bundesländern ihre Hochschulreife erworben haben, und der Anzahl an Studienanfängern, die im betrachteten Bundesland ihre Hochschulreife erlangt haben, aber in einem anderen Bundesland studieren) an Studierendenanfängern, die laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IHW), im Zeitraum vom Wintersemester 2005/06 zum Wintersemester 2007/08 um 30 % gestiegen ist und sieht diesen Anstieg für ein Indiz einer guten Qualität der bayerischen Hochschulen. Auch schließt der Minister aus dem deutschlandweit besten Nettozuzug im Wintersemester 2007/08, dass die meisten Studienanfänger nach Bayern kommen.

Die Betrachtung der Nettozuzüge ist problematisch, da Bundesländer, wie Bayern, mit einer niedrigen Studienberechtigten-Quote und einer großen Anzahl an Studienplätzen naturgemäß einen hohen Zuzug und eine geringe Abwanderung haben.
Bei Betrachtung der Studienanfänger eines kompletten Studienjahres und der aktuelleren Zahlen bis 2008 ergeben sich andere Ergebnisse.

Nach Bayern kommen nicht die meisten Studierenden:
Sind im Studienjahr 2007 nach Bayern mit 11497 noch am zweit meisten Studienanfänger (nach Nordrhein-Westfalen mit 13283) aus anderen Bundesländern gekommen, war Bayern 2008 nur an vierter Stelle mit 10986 (-4,4 % im Vergleich zu 2007) nach Baden-Württemberg (14947; +60,4%), Nordrhein-Westfalen (13283; +8,2%) und Hessen (11331; +16,8%).

Geringer Anteil an Studienanfänger aus anderen Bundesländern:

Obwohl Bayern von externen Studierenden so beliebt sein soll, haben nur 23,3% aller Studienanfänger (2006 und 2007 ca. 25 %) ihre Hochschulreife außerhalb von Bayern erworben. Bayern hat nach Nordrhein-Westfalen (18 %) den geringsten Anteil an Studienanfängern, die in anderen Bundesländern ihr Abitur absolviert haben. Stadtstaaten wie Berlin mit 49 % und Hamburg mit 60 % ein weitaus höheren Anteil an externen Studienanfänger

Auswirkung der Studiengebühren:
Seit Einführung der Studiengebühren ist Bayern das einzige Bundesland mit Studiengebühren zu dem weniger Studierende aus Bundesländern ohne Gebührenzwang kommen

International:
Auch bei Studienanfängern aus dem Ausland liegt Nordrhein-Westfalen (2008: 9935) und Baden-Württemberg (2008: 9245) im beobachteten Zeitraum seit 2001 deutlich vor Bayern. Seit 2007 gewinnt Berlin stark hinzu und hat im Jahr 2008 mit 7041 Studienanfängern, die außerhalb von Deutschland ihre Hochschulreife erworben haben, fast soviele wie Bayern mit 7797.