Nachricht an Wowereit #1

Reaktion auf Wowereits Statement zu mir auf Berliner SPD-Parteitag:

Lieber Regierende,

ein bisschen ehrt es mich ja schon, dass sie explizit auf meine Person auf dem SPD Landesparteitag eingegangen sind. Dass Sie den Eindruck haben, ich mache eine „akademische Feldstudie“ und das ich versucht habe „wissenschaftlich“ und „professionell“ heranzugehen sehe ich nach mehrmaliger Betrachtung und Reaktionen von Vertrauten auch eher als Lob denn als Kritik.

Warum sollte sich bürgerschaftliches Engagement nicht auch professionalisieren? Parteien und politische Bewegungen sind nun mal so zustande gekommen.
Ich empfinde es als an der Zeit innerhalb unserer Demokratie neue Wege zu gehen.

Dass Sie meine Herkunft thematisieren und als negativ darstellen finde ich beschämend für einen Bürgermeister von Berlin. Ich wünsche mir einen Ort – wo Herkunft, soziale Hintergründe und Bildungsstand für Beteiligung und Mitsprache keine Rolle spielt.

Wenn es einen Ort gibt wo dieses möglich erscheint – dann ist es in unserer Stadt.

Es ist an der Zeit, dass die Berliner SPD und natürlich auch die SPD im Allgemeinen endlich aus ihrem Tiefschlaf erwachen und wieder Politik für die Bevölkerung macht.

Leider schafft es die SPD – und so wie ich es hier erlebe die Berliner SPD insbesondere – nicht auf die Bedürfnisse und Sorgen der Menschen einzugehen.

Da ich nach dem vergangenen Landesparteitag keinen Horizont auf Besserung sehe – wird auch das Volksbegehren für Neuwahlen voraussichtlich nicht mein letztes sein.

Wenn in dieser Stadt nicht wieder auf die Betroffenen geachtet wird – sehe ich mich gezwungen eine Partei zu gründen – um den Wählerinnen und Wählern in Berlin eine echte Alternative zu bieten.

Oder vielleicht werde ich auch ein „professionelles Büro“ für bessere Mitbestimmung und Beteiligung außerhalb des parlamentarischen Systems gründen um in Zukunft einfacher Massen-Empirien statt Feldstudien zu ermöglichen.

Übrigens habe ich niemals bei attac gearbeitet, sondern war dort nur als Jugendlicher für meine Ortsgruppe Ansprechpartner – natürlich habe ich in unserem kurzen Gespräche Mitte Januar weder gesagt, dass ich bei attac war noch wann ich woher nach Berlin gekommen bin. Interessanter wäre gewesen, dass ich zum Ende meines Studiums maßgeblich das Bündnis mitgestaltet habe, was im Endeffekt im letzten Bundesland die Studiengebühren wieder abgeschafft hat.
Sie haben mir bei unserem kurzen Gespräch aber gesagt, dass sie es toll fänden, dass jetzt alle Berlinerinnen und Berlin abstimmen können und dass sich die Stadt ne Menge Geld sparen würde, wenn 100% Tempelhofer Feld gewinnen würde.

Bitte treten sie doch zurück – im Interesse der Menschen die hier in Berlin ihren Lebensmittelpunkt sehen.

Bitte treten sie zurück – damit ein neuer Politikstil einziehen und endlich das WIR entscheiden kann.

Ich wünsche Ihnen alles Gute außerhalb der Politik, wo sie derzeit am besten aufgehoben wären.